Vorlesung
Gerok-Reiter, Annette, Prof. Dr.
Minnesang: Anfänge, Typenbildung, Theorie
Zeit: Mi 10-12
Ort: Neuphilologicum, 36
Beginn: 26.10.2016
Wie und wann setzt die deutschsprachige Liebeslyrik ein? Welche Einflüsse führen zu ihrer Genese? Wie differenziert sich der Minnesang im Verlauf seiner Praxis? Welche Position zwischen „Kollektivneurose“ und „poésie formelle“ ist ihm aufgrund genauer Analyse zuzuordnen? Anhand dieser Leitfragen bietet die Vorlesung eine Einführung in den deutschsprachigen Minnesang. So verfolgt die Vorlesung einerseits in diachroner Perspektive die unterschiedlichen Inszenierungen von Ich-Du-Beziehungen in den Liedern des 12. und 13. Jahrhunderts. Andererseits arbeitet sie in systematischer Hinsicht die poetologische Disposition des Minnesangs zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, zwischen Aufführung und Text, zwischen spezifischen Geschlechterkonstruktionen und allgemeinem Kulturprogramm, zwischen ästhetischer Formkunst und brisantem erotischen Diskurs heraus. Ziel ist es, die Vielstimmigkeit der mittelhochdeutschen Lyrik als konzeptuell höchst anspruchsvollen und im zeitgenössischen Kontext durchaus avantgardistischen Kulturentwurf sowie als Voraussetzung und Grundlage moderner Liebeslyrik in den Blick zu rücken.
Literatur:

Empfohlene Textausgaben:

Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters. Edition der Texte und Kommentare von Ingrid Kasten, Übersetzungen von Margherita Kuhn, Frankfurt a. M. 1995 (Bibliothek des Mittelalters 3) [als Taschenbuch erhältlich]; Deutsche Lyrik des späten Mittelalters, hg. von Burghart Wachinger, Frankfurt a. M. 2006 (Bibliothek des Mittelalters 22) [leider sehr teuer] (in beiden vorzüglichen Bänden auch Übersetzungen und Lit. zu Einzeltexten). Ein Primärtextreader wird auch zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt. Als Überblick geeignet: Günther Schweikle, Minnesang. Stuttgart 21995.
Bemerkungen:
Leistungsnachweis: Klausur oder Essay nach Absprache
Anmeldung: