Vorlesung
Marschall, Susanne, Prof. Dr.
Systematik und Geschichte der Medien und Medientheorie
Zeit: Mi 14-16
Ort: Neuphilologicum 036
Beginn: 26.10.2016
Bereits 1911 bezeichnete der italienische Futurist Ricciotto Canudo den Film als siebte Kunst, die alle anderen Künste in sich vereint und deren narrative und ästhetische Mittel nutzen kann, um ein großes Publikum kognitiv und emotional zu erreichen. Als technisch basiertes Medium mit dem Potential zu intensiver Stimulation von Augen und Ohren (aber auch der anderen Sinne) hat sich der Film seither tief in die Wahrnehmungsgeschichte des Menschen eingeschrieben und während seiner 120-jährigen Geschichte längst die Leinwand des Kinos verlassen. Dokumentarisch öffnet er im Kino, aber vor allem auch im Fernsehen Fenster in intime oder fremde Welten, als Spielfilm beschäftigt er unsere Imagination, als Animationsfilm übersteigt er unsere Vorstellungskraft, als viraler Werbespot erreicht er unsere Smartphones und stimuliert unsere Kauflust – und dies alles mittlerweile losgelöst von Ort und Zeit. Zusammen mit der Fotografie dient er als privates Erinnerungsmedium und hinterlässt auf diesem Weg ein gigantisches Archiv noch unerzählter Geschichten ... Diese Aufzählung lässt sich mühe- und endlos fortsetzen. Ausgehend von der Dominanz des Filmischen im Kontext der allgemeinen Medienentwicklung untersucht die Vorlesung ausgesuchte Fallbeispiele aus den Medien Kino, Fernsehen und Internet. Seit der Entstehung des Kinematographen prägt der Film darüber hinaus viele Inszenierungen in Theater und Museen und bestimmt zunehmend sogar unsere Stadtbilder, zumindest in den medienaffinen Metropolen. In seinen Anfängen innovatives Forschungsinstrument – zum Beispiel in Edward Muybridges Bewegungsstudien an Menschen und Tieren – übernimmt der Film binnen kurzem die Aufgaben, Informations-, aber auch Unterhaltungsmedium und schließlich nicht zuletzt Kunstwerk zu sein. In seiner Vielfalt und seinem Formenreichtum erobert das Kino nach seiner Erfindung in wenigen Jahren (nahezu) die ganze Welt. Von Beginn der Filmgeschichte an ist das Kino auf der Seite der Produktion sowie der Rezeption ein interkulturelles Phänomen, zumal der Stummfilm noch nicht einmal Sprachbarrieren zu überwinden hatte. Begleitet durch die Lektüre von Schlüsselwerken der Film- und Medientheorie, vertieft sich die Vorlesung in ausgewählte Forschungsfelder der Filmwissenschaft und belegt ihre Hypothesen durch prägnante Beispielanalysen.
Literatur:
Bemerkungen:
Leistungsnachweis: Hausarbeit
Anmeldung: über Campus