Seminar
Kimmich, Dorothee, Prof. Dr.
Höhlen, Abgründe: Die „Tiefe“ als metaphorischer und realer Raum in der Literatur im 19. und 20. Jahrhundert
Zeit: Di 10-12
Ort: OSA-Keplerstr. - 036 Seminarraum 1
Beginn: 25.10.2016
Die Tiefe zählt zweifellos zu den ältesten und wichtigsten Metaphern der Kulturgeschichte, nicht zuletzt aufgrund ihrer engen Bindung an Konzepte von Wahrheit und Erkenntnis, Ursprung und Seele, Substanz und Grund, Subjektivität und Echtheit. Diesen positiven Konnotationen stehen nicht minder zahlreiche negative Aufladungen gegenüber, in denen die Tiefe – die ikonographische Tradition von Hades und Hölle fortführend – als Projektionsraum für das Dunkle, Irrationale und Bedrohliche, für unkontrollierbare Kräfte dient, deren Imagination sich nicht selten mit Wertungen des sozialen Raums vermengt. Diese divergierenden Besetzungen bestimmen die Tiefe zu einer hoch ambivalenten Figur, in der Sehnsüchte nach einem Sicherheit und Identität verbürgenden Grund oder Schutzraum auf Ängste vor verschiedenen Spielarten des Abgrunds treffen. Die literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung zu Semantiken und Topologien der Tiefe diskutierte in den letzten Jahren insbesondere die Implikationen und Folgen des epistemischen Umbruchs um 1800: die Erfindung des modernen Subjekts und seiner Wissenschaften (Anthropologie usw.), des hermeneutischen Blicks, einer neuen Logik der Tiefenferne, einer romantischen Tiefensubjektivität (Höhlen, Bergwerke) sowie einer mit dem anthropozentrischen Modell der jungen Humanwissenschaften in Spannung stehenden geologischen Tiefenzeit.
Literatur:
Bemerkungen:
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