Seminar
Boyken, Thomas, Dr.
Buchhaftigkeit im deutschsprachigen Gegenwartsroman
Zeit: Mi 18-20
Ort: Neuphilologicum, 034
Beginn: 26.10.2016
Clemens Lugowski bezeichnet den Roman in seiner Dissertation (1932) als "Unform" par excellence. Der Roman habe - im Gegensatz zum Drama oder zum Gedicht - eine offene Form, die höchst flexibel sei. Während das Gedicht in Verse und das Drama in Haupt- und Nebentext dargeboten werden, ist der Roman i.d.R. ein von links nach rechts laufender Text. Wie die Worte gesetzt sind, ist zumeist irrelevant. Allerdings fällt in der akuellen Gegenwartsliteratur auf, dass Romane mit ihrer äußeren Form produktiv umgehen. Zu denken wäre hierbei an Mark Z. Danielewskis Erfolgsroman "House of Leaves" oder neuerdings an J.J. Abrams' und Doug Dorsts "S - The Ship of Theseus". Die Buchhaftigkeit des Romans wird in diesen Romanen für die Erzählung der Geschichte genutzt. Wenngleich dies im Feuilleton desöfteren als "Spielerei" oder "Experiment" abgetan wird, scheint die Wiederentdeckung der Buchhaftigkeit des Romans doch einen tieferen Grund zu haben. Warum haben "Romanexperimente" in den letzten Jahren Konjunktur? Welche Rolle spielt hierbei die Digitalisierung unserer Gesellschaft, die zur Rückkehr des Buches in seltsamer Opposition zu stehen scheint? Wie ist mit diesen Romanen literaturwissenschaftlich und narratologisch umzugehen? Wie lässt sich die Darbietungsform, die bei dieser Art von Roman auf der Grenze von histoire und discours anzusiedeln ist, in die Analyse integrieren? Wo ist der Ausgangspunkt der "Buchhaftigkeit" des Romans zu finden? Neben diesen methodischen, produktions- und rezepetionsästhetischen Fragen werden wir uns intensiv mit ausgewählten deutschsprachigen Romanen befassen. Die Formdiskussion wird dabei argumentationsleitend sein.
Literatur:

Folgende Primärliteratur ist zur Anschaffung empfohlen:

Benjamin Stein: Die Leinwand (2010)

David Wagner: Leben (2013)

Thea Dorn: Die Unglückseligen (2016)

Nis-Momme Stockmann: Der Fuchs (2016)

Die Theorie- und Sekundärliteratur wird im Seminarordner zur Verfügung gestellt. Gegebenenfalls werden wir uns noch mit weiteren Romanen befassen (Jan Brandt: "Gegen die Welt", Thomas Glavinic: "Der Jonas Komplex", Wolf Haas: "Die Verteidigung der Missionarsstellung", Iljia Trojanow: "Macht und Widerstand"). In welcher Form wir in unserem Seminar unser Analysekorpus erweitern (evtl. ist es lohnenswert, nicht-deutschsprachige Literatur hinzuziehen), werden wir im Seminar besprechen.
Bemerkungen: Das Seminar verlangt ein relativ hohes Lektürepensum. Dies gilt sowohl für die Primär- als auch für die Sekundärliteratur.
Leistungsnachweis:
Anmeldung: per E-Mail direkt beim Dozenten anmelden