Seminar
Kauer, Katja, PD Dr.
Herzensbildungsdefizite, Kälte und Ironie" - Geschlechterbilder in popliterarischen Texten des 20. und 21. Jahrhunderts.
Zeit: Do 14-16
Ort: OSA-Keplerstr. 36, Seminarraum 1
Beginn: 20.10.2016
„Um die Jahrtausendwende kursierte allerorten – in Feuilletons der Tages- und Wochenzeitschriften und in Literaturzeitschriften ebenso wie in Verlagsprospekten, in Kneipengesprächen oder sogar in literaturwissenschaftlichen Seminaren – die Rede von Pop-Literatur.“ Diese Aussage trifft Jörgen Schäfer in einem Aufsatz über das Verhältnis von Pop und Literatur. ‚Popliteratur‘ ist ein Begriff, der als Bezeichnung für eine bestimmte literarische Strömung diente, die von banalen Alltagshandlungen, Kleidungsstilen, Musikgeschmack und Sex(-ualität) handelte. ‚Poetik der Oberfläche‘ ist ein weiteres Stichwort für diese Literaturrichtung. Da Sexualität ein immer wiederkehrendes Thema in den Texten der Popliteratur ist, wird in diesem Seminar versucht, durch die Methode der Gender studies herauszufinden, wie die soziokulturelle Kategorie ‚Geschlecht‘ in den einzelnen Texten aufgegriffen wird. Da Gender keine stabile Konstruktion bezeichnet, muss in den jeweiligen Kontexten betrachtet werden, was als ‚männlich‘ und was als ‚weiblich‘ gedeutet wird, und welche betont oberflächlichen Geschlechterklischees bedient werden. Sind Herzensbildungsdefizite, Kälte und Ironie, die der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre als konstitutiv für das popliterarische Schreiben ansieht, männliche oder weibliche Popphänomene? Popliterarische Texte bedienen sich der Kategorie des soziokulturellen Geschlechts (Gender) hauptsächlich auf einer rein individuellen Ebene, weil sie allgemeinverbindliche Wertesysteme mehr oder minder für obsolet erklären. Der Dualismus zwischen Mann und Frau wird im Popkosmos anders akzentuiert. Eine Popliteratin (Kerstin Grether) beispielsweise vertritt die These, dass sich der männliche Eintritt in die Popkultur über Musikgeschmack, der weibliche über die Einhaltung einer bestimmen Schönheitsnorm (die Disziplinierung des schlanken Körpers) vollzieht. In den jüngsten Texten (ab 2000) werden wiederum andere geschlechtliche Differenzen stark gemacht oder geschlechtliche Grenzen sogar völlig nivelliert. An verschiedenen Beispielen sollen im Laufe des Seminars die bestehenden popkulturellen Geschlechterbilder vornehmlich der Literatur um die Jahrtausendwende analysiert werden.
Literatur:
Bemerkungen:
Leistungsnachweis:
Anmeldung: per E-Mail direkt bei der Dozentin anmelden