Seminar
Schindling, Anton, Prof. Dr. ; Merkle, Jochen
Das Land an der Peripherie: Zwischen osmanischen Einfl├╝ssen, religi├Âser Vielfalt und Vampirglauben - Kulturgeschichte Siebenb├╝rgens vom 16. bis 19. Jahrhundert (Multikulturelle L├Ąnder in Ostmitteleuropa)
Zeit: Do 18-20
Ort: Hegelbau, 228
Beginn: 20.10.2016
Die Dreiteilung Ungarns durch die osmanische Expansion f├╝hrte 1541 zur Bildung des selbst├Ąndigen F├╝rstentums Siebenb├╝rgen als Pufferstaat zwischen den Habsburgern und der t├╝rkischen Herrschaft auf dem Balkan. Siebenb├╝rgen (Transsilvanien) war ein st├Ąndisches Wahlf├╝rstentum mit der Hauptstadt Alba Julia (unter Einbeziehung von Teilen des bisherigen zentralen Ungarn). Seine europ├Ąische Alleinstellung bestand in einer multikonfessionellen Religionspolitik. Seit dem Thorenburger Landtag von 1568 waren die vier Konfessionen der Katholiken, Lutheraner (deutschsprachige Siebenb├╝rger Sachsen), Reformierten (Calvinisten) und Unitarier (Antitrinitarier, Arianer) staatsrechtlich "rezipert", das hei├čt anerkannt und die griechisch-orthodoxe, unst├Ąndische Bev├Âlkerungsmehrheit wurde toleriert. Die F├╝rsten geh├Ârten unterschiedlichen Familien und Konfessionen an. Siebenb├╝rgen war der einzige europ├Ąische Staat, der die Unitarier nicht verfolgte. Die Mehrheitsposition der (ungarischen) Reformierten dr├╝ckte sich in der Gr├╝ndung einer reformierten Hohen Schule in Alba Julia aus. Diese und weitere reformierte Hohen Schulen im Herrschaftsbereich des F├╝rstentums waren ├╝ber die "calvinistische Internationale" gut vernetzt mit Hochschulen in Westdeutschland und den Niederlanden (Herborn, Leiden). ├ťber die Orthodoxen ergaben sich Kontakte zu den rum├Ąnischen F├╝rstent├╝mern Moldau und Walachei (Historiker F├╝rst Dimitrie Cantemir). Nach der Eroberung durch die Habsburger erkannten diese 1697 die bisherige, einzigartige Religionsverfassung ihres nunmehrigen Erbf├╝rstentums Siebenb├╝rgens an. Durch die Kirchenunion mit den Orthodoxen 1700 entstand die Griechisch-Katholische Kirche, die f├╝r die Rum├Ąnen wichtig wurde. Pietismus und Aufkl├Ąrung wirkten auch hier. Die Zahl der Deutschsprachigen wurde durch die erzwungene "Transmigration" der "Landler", ├Âsterreichischen "Geheimprotestanten" verst├Ąrkt. Unter Maria Theresia war der siebenb├╝rgisch-s├Ąchsische Politiker Brukenthal auch kulturell eine Leitfigur. Die Reformen Josephs II. m├╝ndeten in einen Bauernaufstand. Gleichzeitg entstand in der Polemik gegen die Aufkl├Ąrung und in der fr├╝hromantischen Literatur das fiktionale Bild des F├╝rsten Dracula und des Landes der Vampire.
Literatur: Ludwig Binder, Carl G├Âllner, Elisabeth G├Âllner, Konrad G├╝ndisch, Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rum├Ąniens, Bd. 1: 12. Jahrhundert bis 1848. Herausgegeben vom Forschungszentrum des Hermannst├Ądter Hochschulinstituts. Bukarest 1979. M├írta Fata, Migration im kameralistischen Staat Josephs II. Theorie und Praxis der Ansiedlungspolitik in Ungarn, Siebenb├╝rgen, Galizien und der Bukowina von 1768 bis 1790. M├╝nster 2014. Konrad G├╝ndisch: Siebenb├╝rgen und die Siebenb├╝rger Sachsen. M├╝nchen 1998 (1. Aufl.), 2005 (2. Aufl.). B├ęla K├Âpeczi, G├íbor Barta (Hrsg.), Kurze Geschichte Siebenb├╝rgens. Herausgegeben vom Institut f├╝r Geschichte der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Budapest 1990. Michael Kroner, Geschichte der Siebenb├╝rger Sachsen. N├╝rnberg 2007/08 (Bd. 1: Von der Ansiedlung bis Anfang des 21. Jahrhunderts; Bd. 2: Wirtschafts- und Kulturleistungen). Harald Roth, Kleine Geschichte Siebenb├╝rgens. K├Âln 1996 (1. Aufl.), 2003 (2. Aufl.), 2007 (3. Aufl.). G├╝nter Sch├Âdl, Land an der Donau. Deutsche Geschichte im Osten Europas / begr├╝ndet von Werner Conze, hrsg. von Hartmut Boockmann. Berlin 2002. Ernst Wagner, Geschichte der Siebenb├╝rger Sachsen. Ein ├ťberblick. Thaur bei Innsbruck 1981 (und zahlreiche weitere Auflagen).
Bemerkungen:
Leistungsnachweis: 9 ECTS-LP (Hausarbeit oder 4st. Klausur, i.d.R. Referat)
Anmeldung: per E-Mail direkt bei den Dozenten anmelden