Seminar
Pawlak, Anna, Jun.-Prof. Dr. ; Wolkenhauer, Anja, Prof. Dr.
Ovid für alle. Die Metamorphosen in Text und Bild in der Druckgrafik der Frühen Neuzeit
Zeit: Mo 14-16
Ort: Hegelbau , Kleiner Ãœbungsraum 21
Beginn: 31.10.2016
Ovids Metamorphosen gehören heute zu den bekanntesten Werken der römischen Literatur und bilden mit ihrer fast zweitausendjährigen Rezeptionsgeschichte einen integralen Bestandteil der europäischen Kultur. Sie finden sich im Lateinunterricht ebenso wie in der Hand der Reiseleiter, die ihre Gruppen durch die Museen führen, denn die „Verwandlungsgeschichten“ fungierten über Jahrhunderte als die wichtigste literarische Quelle der profanen Ikonographie und boten den Künstlern die Möglichkeit, differenzierte Formen der Visualisierung von Mythen zu erproben. Die ununterbrochene Popularität von Ovids Werk belegt nicht zuletzt die Prosaübertragung von Gerhard Fink, die es in den 1990er Jahren bis auf die deutschen Bestsellerlisten schaffte. Mehr als jeder andere römische Text haben die Metamorphosen ihre Wirkungsgeschichte aus dem reziproken Verhältnis von Text UND Bild entfaltet. Dieser doppelten Tradition wollen wir im Seminar nachgehen. Als Angelpunkt soll uns dabei die Metamorphosen-Rezeption vor allem im 16. Jahrhundert dienen, in dem durch technische, ökonomische und kulturelle Entwicklungen, konkret: durch die Druckgraphik bedingt die Metamorphosen in Text und Bild binnen kurzem für sehr viele Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten erreichbar und anschaulich wurden. Wir wollen danach fragen, wie dieser „Ovid“ aussieht, was mit dem Text geschieht, welche Lesarten des Mythos nahegelegt, welche verdrängt werden, wie sich das Wechselverhältnis zwischen Bild und Text, Künstler und Autor verändert, wer diese Ausgaben respektive Blätter erwirbt und wie er sie nutzt. Wir werden neben dem Ovidtext auch neulateinische Texte heranziehen, gemeinsam die Holzschnitte sowie Kupferstiche vor dem Hintergrund der ikonographischen Tradition hinsichtlich ihrer bildimpliziten Konzepte analysieren und versuchen, die Wirkungsgeschichte des Textes auch jenseits des Textes kennenzulernen.
Literatur:

Textgrundlage:

Als Textgrundlage für Ovids Metamorphosen wird die Teubner-Ausgabe von W.S. Anderson verwendet.

Einführende Literatur:

Huber-Rebenich, Gerlinde / Lütkemeyer, Sabine / Walter, Hermann, Ikonographisches Repertorium zu den Metamorphosen des Ovid. Die textbegleitende Druckgraphik, Teil I: Narrative Darstellungen, Berlin 2014.
Huber-Rebenich, Gerlinde / Lütkemeyer, Sabine / Walter, Hermann, Ikonographisches Repertorium zu den Metamorphosen des Ovid. Die textbegleitende Druckgraphik, Teil II: Sammeldarstellungen, Berlin 2004.
Hunger, Herbert, Lexikon der griechischen und römischen Mythologie mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart. Wien 19988
Bickendorf, Gabriele, Eigensinn der Illustration. Ovids ‘Metamorphosen’ in Druckgraphiken des 17. Jahrhunderts, in: Der verblümte Sinn. Illustrationen zu den ‘Metamorphosen’ des Ovid, Ausstellungskatalog Kornwestheim 1997, S. 13-82.
Hermann Walter / Hans-Jürgen Horn (Hrsg.), Die Rezeption der Metamorphosen des Ovid in der Neuzeit. Der antike Mythos in Text und Bild, Berlin 1995.
Seznec, Jean, Das Fortleben der antiken Götter. Die mythologische Tradition im Humanismus und der Kunst der Renaissance, München 1990.

Bemerkungen:
Leistungsnachweis:
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