Seminar
Dessì Schmid, Sarah, Prof. Dr.; Penzenstadler, Franz, Prof. Dr.
Sprachdarstellung und Sprachmischung in der Narrativik des 20. Jahrhunderts zwischen Literatur und Linguistik
Zeit: Di 12-14
Ort: Neuphilologicum, 10
Beginn: 25.10.2016
Die italienische Literatur der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch eine in gewisser Weise paradoxe Entwicklung. Der Anspruch realistischer Narrativik, gesellschaftliche Wirklichkeit objektiv und kritisch darzustellen, sieht sich zum einen zunehmend mit der Erkenntnis konfrontiert, dass die soziale Wirklichkeit als solche zu einem erheblichen Teil aus Sprache besteht, und zwar in einer heterogenen Vielfalt diatopischer, diastratischer und diaphasischer Varietäten. Zum anderen kommt es zu einer ‚Krise‘ realistischen Erzählens, die aus der Problematik resultiert, dass alle nicht-sprachliche Realität in Texten zwar sprachlich vermittelt werden muss, dass jedoch der Zeichencharakter der Sprache und die Begrenztheit der Zeichen eine Abbildung von Wirklichkeit in ihrer ganzen Komplexität letztlich unmöglich macht. Dies führt einerseits zu einer bewussten Erweiterung der literarischen Sprache (die beispielsweise Dialekte, Soziolekte, aber auch Elemente anderer nicht-literarischer Diskurstraditionen aufnimmt), zum anderen zu expliziter oder impliziter Reflexion über das Ausdrucks- und Darstellungsmedium der Literatur. Eine nähere Analyse dieser "erweiterten" literarischen Sprache führt so zum Kern einerseits historisch-varietätenlingusitischer, andererseits kognitiv-universaler Reflexionen zur Sprache: Denn zum einen verwirklicht sich die italienische Sprache – als Einzelsprache, als historisches und soziales Gebilde ­– nur in und durch seine Varietäten, sie 'lebt' in den ihre Architektur definierenden Texten ihrer Sprecher. Zum anderen verfügen diese Sprecher – wie diejenige aller Sprachen der Welt – über eine grundlegende Ausstattung kognitiver und kommunikativer Kompetenzen, die die Sprache als universale Fähigkeit, als konstituierende Tätigkeit des Menschen darstellt. Auch die Strategien, die die Sprecher in ihren Einzelsprachen bei der Verbindung von Inhalten und Ausdrücken entwickelt haben und die sie jeweils im konkreten kommunikativen Kontext wählen, weisen eine reiche Vielfalt auf.
Literatur: Beide oben genannte Aspekte – Sprachabbildung und deren implizite oder explizite Problematisierung – sollen nun anhand paradigmatischer Fälle aus der Perspektive der Literatur- wie der Sprachwissenschaft im Kurs näher untersucht werden: C. E. Gadda, L’Adalgisa (1943) C. E. Gadda, Quer pasticciaccio brutto de via Merulana (1957) dazu Gaddas Essays in dem Band I viaggi la morte (1958) P. P. Pasolini, Ragazzi di vita (1955) A. Camilleri, La forma dell'acqua (1994) A. Camilleri, Il birraio di Preston (1995) A. Camilleri, La scomparsa di Patò (2000)
Bemerkungen:
Leistungsnachweis: Referat/ Moderation einer Sitzung und je nach Studiengang entweder schriftliche Hausarbeit oder Abschlußklausur (Zentraltermin).
Anmeldung: per E-Mail direkt bei den Dozenten anmelden