Vorlesung
Kauer, Katja, PD Dr.
Gibt es eine weibliche Ästhetik?
Zeit: Mi 16-18
Ort: Neuphilologicum, 036
Beginn: 26.10.2016
Diese Frage ist die Gretchenfrage der feministischen Literaturwissenschaft. Ist es tatsächlich plausibel, dafür zu argumentieren, dass Frauen ein spezifisches ästhetisches Sensorium aufweisen und über andere Formen sinnlichen Erkennens verfügen (Silvia Bovenschen) als Männer? Eine Unterstützung dieser Annahme ist egalitätsfeministisch betrachtet problematisch, weil damit eine dualistische Geschlechtervorstellung affirmiert wird. Um sich vor biologistischen Ressentiments zu schützen, ließe sich zwar poststrukturalistisch für die Andersheit der weiblichen Wahrnehmung argumentieren, in der Art, dass Frauen nicht ontologisch der Status des Anderen zugeschrieben, sondern angenommen wird, dass sie innerhalb der phallo-logozentrischen Ordnung an den anderen Ort gedrängt worden seien (Luce Irigaray). Schreibt, entwirft, denkt frau ihre eigene Subjektposition, wäre sie demnach gezwungen, die herrschende Ästhetik zu verwerfen und sich anders zu entwerfen. Einer Frau, die künstlerisch tätig ist, gelänge es gar nicht, in dem der Weiblichkeit zugeschriebenen Objektstatus zu verharren, sie verzerrt bestehende Weiblichkeitsbilder zwangsläufig (was Sigrid Weigel einst mit der Metapher des schielenden Blicks benannte.) All diese theoretischen Positionen sind jedoch nicht ohne Schwierigkeit. Ist die Vorstellung von weiblicher Ästhetik bloß ein von Männern gemachter (und von Frauen akzeptierter) Mythos über Weiblichkeit als Abweichung? Schreiben Frauen wirklich anders? Statt sich einseitig auf den seit dem „2nd wave feminism“ anschwellenden Theoriekomplex der Frage nach dem spezifisch Weiblichen in der Kunst zu stürzen, möchte die Vorlesung anhand berühmter Texte von Frauen (ab dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart) der Frage nachgehen, ob sich etwas genuin Weibliches darin verbirgt, ob die Texte von einem männlichen Autor anders geschrieben worden wären, ob sie Subversion und Destruktion banaler Weiblichkeitsmythen vollziehen und ob letzten Endes weibliches Schreiben immer schon als feministisch gelten könnte. Vorkenntnis theoretischer Art und Lektüre der vorgestellten Texte ist nicht Bedingung für die Teilnahme an der Vorlesung. Ein detaillierter Plan wird im Laufe der Vorlesung bekannt gegeben.
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